„Maze Runner I – Die Auserwählten im Labyrinth“ von James Dashner

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Rezension zur Ausgabe im Schuber

Originaltitel: The Maze Runner
Autor: James Dashner
Ursprungsland: USA
Übersetzung: Anke Caroline Burger
Verlag: Chicken House
Preis: 29,99 € (gesamte Trilogie im Schuber!)
ISBN:  978-3-551-52068-5
497 Seiten, Taschenbuch
Bewertung:
3sterne

Der Inhalt
Sein Name ist Thomas. An mehr erinnert er sich nicht, als er in seinem neuen Leben erwacht; in einer dunklen Box, die ihn zur Lichtung bringt.
Die Lichtung, das ist der Ort, an dem er von nun an mit circa 50 anderen Jungs zwischen 12 und 17 Jahren lebt. Ihnen allen geht es wie Tom: keine Erinnerungen an ein früheres Leben, keine Eltern, keine Ahnung, warum sie dort sind. Wie verrückt suchen sie in dem Labyrinth, das ihre neue Heimat umgibt, nach einem Ausweg.
Doch kurz nach Thomas‘ Ankunft scheinen sich einige Naturgesetze der Lichtung zu verändern. Als dann plötzlich auch noch ein Mädchen auftaucht, wird den „Lichtern“, wie sie sich selbst nennen, allmählich bewusst, wie dringend sie fliehen müssen.
Es handelt sich bei The Maze Runner um eine Trilogie mit zwei Spin-Offs; das zweite erscheint 2016.

Der Autor
James Dashner stammt aus Georgia (USA) und hat bereits mehrere Buchreihen verfasst. Nach Deutschland hat es bisher aber außer Maze Runner nur die Game-Master-Trilogie geschafft. Die Romane um Thomas und seine Freunde bleiben (bis heute) seine erfolgreichsten; die ersten beiden Teile der Reihe wurden bereits verfilmt, der dritte ist für 2017 geplant (Veröffentlichung in den USA).

Das Buch
Ich hatte hohe Erwartungen an The Maze Runner. Seit der Verfilmung des ersten Bands wird die Reihe oftmals in einem Atemzug mit Die Tribute von Panem und ähnlichen Dystopien genannt und aufgrund persönlicher Empfehlungen im Freundeskreis hatte ich die Trilogie schon lange im Auge.
Eines möchte ich an dieser Stelle schon einmal festhalten: Das Buch hat mich unterhalten. Es war nicht schlecht. Aber ich hatte einige Probleme damit.
Das größte war für mich Thomas, glaube ich. Ich konnte mich über die beinahe 500 Seiten nie mit ihm anfreunden, geschweige denn identifizieren. Das begann schon in den ersten Kapiteln, als Tom aus der Box steigt und die ersten Worte mit den Lichtern wechselt. Ich verstehe, dass das eine aufwühlende Situation ist: er wacht in einem Käfig auf, weiß zu Beginn nicht einmal mehr, wie er heißt, sieht in 50 neugierige Gesichter und erfährt erst einmal gar nichts von ihnen (zu diesem Thema komme ich aber noch). Ich kann nachvollziehen, dass der Autor hier versucht, Toms Verwirrung darzustellen, die emotionale Last, die er trägt. Aber es ist anstrengend, Beschreibungen zu folgen, nach denen der Protagonist innerhalb weniger Zeilen Freude, Panik, Wut, Trotz und Trauer durchmacht. Es geht zu schnell und die Auslöser sind meiner Meinung nach oftmals nicht nachvollziehbar.
Thomas, bzw. Dashner, erwähnt mehrmals, dass der Protagonist „sehr intelligent“ ist. Seine ständigen emotionalen Achterbahnfahrten halten irgendwie dagegen, denn sie lassen Thomas auf mich nicht selten wie ein trotziges Kind wirken.
Über das Thema Intelligenz bin ich allerdings mehrmals gestolpert. [SPOILER]
Wie gesagt, Thomas und die anderen Lichter werden an mehreren Stellen „überdurchschnittlich intelligent“ genannt. Thomas (und das Mädchen, Teresa) übertreffen die anderen aber noch einmal um ein ganzes Stück. Laut Autor.
Der Protagonist hat auf mich zu keinem Zeitpunkt hochbegabt gewirkt. Ja, er hat zu einem großen Teil zur Lösung des Rätsels um das Labyrinth geholfen. Vielleicht ist er auch cleverer als die anderen Lichter. Aber um wirklich genial aufzutreten, hat es nicht gereicht. Die Jungs haben sicher eine Menge aufgebaut und ihr Leben auf der Lichtung gut organisiert. Ganz sicher ist das bemerkenswert. Ich tue mich trotzdem schwer damit, dass der Autor ihre Begabung so betont und diese im weiteren Verlauf so wichtig zu sein scheint. [SPOILER ENDE]
Außerdem widerspricht Thomas dem an mindestens einer Stelle. Zuerst einmal: Seine ganze Beziehung zu Chuck, dem kleinen dicklichen Jungen, der ihm ständig folgt, lässt mich sehr unzufrieden zurück. Der Junge ist ein paar Jahre jünger als Tom und sicher nicht immer einfach, aber Toms Reaktion auf Aufmunterungsversuche und ähnliches fand ich zum Teil sehr harsch. Zu jeder Gelegenheit betont er, dass Chuck ihn wirklich nervt, sagt sogar einmal man könne kein intelligentes Gespräch mit ihm führen. Eine Seite später schwärmt er jedoch beinahe von Chucky, dem süßen Kleinen, der sein bester Freund geworden ist.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal den Bogen spannen zu Thomas Wechselhaftigkeit und dem Thema Intelligenz. Hätte Tom, als derjenige, der er eben ist, nicht bemerken müssen, dass man mit Chuck sehr wohl ein intelligentes Gespräch führen kann? Und wenn dem wirklich nicht so ist, was sucht Chuck dann auf der Lichtung?
Eine Frage des Stils und der Logik ist die Strategie, die Dashner etwa bis zur Hälfte oder zum letzten Viertel des Buches wählt, um Spannung aufzubauen und Konflikte entstehen zu lassen: Geheimnisse. Niemand will Tom erzählen, was es mit dem Labyrinth auf sich hat, niemand will ihm sagen, was mit Ben los ist, keiner will ihm verraten, was die Läufer dort draußen tun, und so weiter und so fort. Über sehr lange Strecken besteht die Handlung daraus, dass alle Thomas etwas verschweigen, dieser darüber sauer ist und es im Endeffekt eben doch rausfindet (oder später erzählt bekommt). Das ist frustrierend. Aber nicht nur für Tom, sondern irgendwann auch für den Leser, weil man (oder zumindest ich) oftmals nicht nachvollziehen kann, warum diese oder jene Information verschwiegen wird. Es geht meist um Dinge, die Tom als „Frischling“, wie sie ihn nennen, eigentlich sogar erfahren sollte oder früher oder später sowieso versteht. Warum machen die Lichter also so ein Geheimnis aus einfachen Sachverhalten?
Thomas ist da allerdings nicht anders. Er ist so fest entschlossen, dem Labyrinth zu entkommen, Chuck nach Hause zu bringen und seine Erinnerungen wiederzufinden, dass er beinahe alles dafür tun würde. Er überhäuft die Lichter nur so mit Vorschlägen, wie sie handeln und was sich versuchen sollten. Als dann aber Teresa auftaucht [SPOILER] und er entdeckt, dass sie beide telepathisch mit einander kommunizieren können, [SPOILER ENDE] teilt er das keinem mit, weil er Angst hat „sie könnten ihn für verrückt halten“?! In Anbetracht der Tatsache, dass sie ihm streckenweise sowieso misstrauen und man ihn mehrmals fragt, ob das Mädchen ihm bekannt vorkommt oder ihm irgendetwas anderes auffällt, finde ich seine Angst als Rechtfertigung für das Verschweigen solcher Information relativ schwach. Nein, vermutlich hätte es niemandem geholfen, hätte Tom von ihren Fähigkeiten erzählt. Aber trotzdem bleibt sein Argument, er wollte nicht für verrückt gehalten werden. Und das ist meiner Meinung nach in seiner Situation wirklich fehl am Platz. [SPOILER] Vor allem, weil er unmittelbar vorher ins Labyrinth gelaufen ist, während die Tore sich geschlossen haben. Das verstößt gegen Regel Nummer eins der Lichter und eigentlich hat niemand damit gerechnet, dass er lebend zurückkehrt. [SPOILER ENDE] Der Ich-bin-nicht-verrückt-Zug ist an dieser Stelle längst abgefahren.
Warum Dashner überhaupt Toms und Teresas Fähigkeit eingeführt hat, verstehe ich an dieser Stelle (noch) nicht. Ich finde sie im ersten Teil  recht unpassend und einfach überflüssig, aber bin offen dafür, mich im zweiten oder dritten Band vom Gegenteil überzeugen zu lassen.

Ich möchte abschließend noch ein paar Worte zum Stil des Autors verlieren. Denn ich finde, The Maze Runner basiert auf einer grundsätzlich sehr beeindruckenden und interessanten Idee. Ich habe bisher noch kein anderes Werk von James Dashner gelesen, deshalb kann ich nicht bewerten, ob es sich hierbei um grundsätzliche Mängel seines Stils handelt, aber ich persönlich würde ihm gerne diesen simplen Tipp ans Herz legen: „Show, don’t tell.“
Dashner setzt dem Leser hier so oft einfach Bilder oder Gefühle vor, die die Erzählung etwas stumpf wirken lassen. Thomas ist wütend. Thomas ist genervt. Chuck ist anstrengend. Alby ist schlecht gelaunt. Die Kunst, einen Leser solche Aspekte fühlen zu lassen, verstehen zu lassen, das ist das A und O beim Schreiben. Hätte Dashner sich hier mehr Mühe gegeben, glaube ich, hätten Thomas und ich uns auch besser verstanden. Wenn man wirklich fühlt, was er durchmacht, wirkt er vielleicht auch nicht mehr so sprunghaft. Wenn man besser fühlt, was da passiert, hätte auch die tragische Wendung am Ende mich sicher mehr mitgerissen. So, wie es aber ist, bleiben die Figuren in The Maze Runner für mich nur Karikaturen der Charakter, die sie hätten werden können.

Das Fazit
Trotz aller Kritik hat mir der Auftakt zur Reihe eigentlich gefallen. Ich glaube einfach, ich gehöre mit 21 Jahren nicht mehr in die Zielgruppe dieses Werks und habe dadurch mehr daran auszusetzen, als ein Leser im richtigen Alter, also vielleicht zwischen 12 und 14 Jahren.
Die Verfilmung lässt das Werk übrigens wachsen, finde ich. Sie lässt sehr viele Details weg und verändert auch einige Aspekte der Handlung. Insgesamt wirkt sie aber erwachsener als der Ausgangstext.

3sterne3/5

+ gute Grundidee
+ interessante Figuren mit Potenzial
+ spannender Verlauf
+ Optik des Schubers

– Ausarbeitung der Figuren
– Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen der Figuren
– Stil des Autors berührt mich nicht

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