„Maze Runner II – Die Auserwählten in der Brandwüste“ von James Dashner

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Rezension zur Ausgabe im Schuber

Der Inhalt
Nachdem eine Handvoll Lichter es tatsächlich aus dem Labyrinth geschafft hat, wägen die Jungs sich in Sicherheit. Man hat sie vor ANGST gerettet, doch was in der echten Welt auf sie wartet, scheint sehr viel schlimmer zu sein als ihr Leben auf der Lichtung. Nach mehreren Katastrophen, die die Menschheit an den Rand der Existenz getrieben hat, liegt die halbe Welt in Schutt und Asche. Thomas und seine Freunde sind hier nicht frei, sondern werden einer knallharten zweiten Testphase unterzogen. Nur die Stärksten werden die Brandwüste überleben.

Der Autor
James Dashner stammt aus Georgia (USA) und hat bereits mehrere Buchreihen verfasst. Nach Deutschland hat es bisher aber außer Maze Runner nur die Game-Master-Trilogie geschafft. Die Romane um Thomas und seine Freunde bleiben (bis heute) seine erfolgreichsten; die ersten beiden Teile der Reihe wurden bereits verfilmt, der dritte ist für 2017 geplant (Veröffentlichung in den USA).

Das Buch
Im zweiten Teil der Reihe legt Dashner von Anfang an ein höheres Tempo vor. Hier wird nicht künstlich in die Länge gezogen, hier geht es Schlag auf Schlag weiter, wo der erste Band endete. Der Leser wird also gleich bei der Hand gepackt und rasch ins Geschehen geworfen. Das hat mir gut gefallen. Den Jungs wird nur eine kleine Verschnaufpause gegönnt, bevor sie vor neuen Rätseln stehen und schließlich gezwungenermaßen in die Brandwüste flüchten. Der Plan legt hier nur ein paar Tage Handlung vor, denn mehr Zeit bekommen die Lichter nicht, ihren Test zu bestehen. Dementsprechend flott bleibt das Erzähltempo eigentlich auch über den ganzen Roman hinweg.
Trotz aller Verwirrung werden jedoch auch einige Fragen beantwortet. Wie sieht die echte Welt dort draußen aus? Was ist mit den Menschen los? Man bekommt sehr früh einen kleinen Einblick und ist schockiert vom Zustand der Zivilisation.
Nur ANGST scheint sich vor dem Zerfall der modernen Welt schützen zu können. Laut eigener Aussage verfügen sie schließlich über unbegrenzte Mengen Geld, Mitarbeiter und „fortschrittlichere Technik, als sich die klügsten Menschen vorstellen können“. Ja, das steht wirklich so da. Ich war wirklich skeptisch gegenüber dieser unbesiegbaren Supermacht, dem Übergegner unserer Protagonisten. Zwar wird zu einem späteren Zeitpunkt die Entstehung der Firma grob erklärt, aber sie kam mir immer zu aufgesetzt und unglaublich aufgeplustert vor. Die Dramatik um ihre Macht und ihren Einfluss wirkten auf mich manchmal unfreiwillig ein bisschen komisch.
Neben ANGST erwarten die Lichter aber außerdem haufenweise Cranks. Cranks, das sind am Brand, einem tödlichen Virus, Erkrankte, die allmählich zu… na ja, Zombies werden. Sie werden verrückt, verlieren ganz offensichtlich jegliches Schmerzempfinden und verspüren urplötzlich das Verlangen nach Menschenfleisch. Die Beschreibung, die Dashner allerdings bevorzugt, ist „völlig hinüber sein“. Jeder Erkrankte ist mehr oder weniger „hinüber“. Irgendwann wurde ich richtig böse, wenn ich dieses Wort gelesen habe. Es gibt andere Umschreibungen, die man nutzen könnte, eine ganze Menge sogar. Aber diese ist und bleibt sein Liebling und er scheut sich nicht, das jedem Leser unter die Nase zu reiben.
Eine Kleinigkeit, die mir aufgefallen ist, bezieht sich allerdings auf die Bezeichnung der Erkrankten. Ich glaube das Wort „Cranks“ hier das erste Mal gelesen zu haben, als die Lichter allein in der Herberge waren, ganz zu Anfang, bevor sie wussten, was mit diesen Menschen los war. Später allerdings benutzt ausnahmslos jeder diese Bezeichnung: Mitglieder von ANGST, die Lichter, die Cranks selbst. Das nur am Rande, denn beschwören möchte ich es nicht.
An dieser Stelle möchte ich mich den Figuren widmen. Zuerst natürlich Thomas, mit dem ich bereits im ersten Teil nicht warm wurde. Auch im zweiten Band zeigt er Züge auf, die ich nicht ganz nachvollziehen kann. Sei es seine Überzeugung, Teresa zu lieben, die sich im letzten Viertel dann aber komplett dreht, oder die Tatsache, dass er Brenda, ein Mädchen, dass er unterwegs trifft, nach einem Tag mit Chuck auf eine Stufe seiner Zuneigungsskala stellt. In einer sehr brenzligen Situation beschreibt Dashner, wie Thomas alle menschlichen Regungen ausschaltet und nur noch sein Überleben zählt – eine Seite später rettet er Minho vor dem sicheren Tod und riskiert dabei selbst zu sterben. Alles in allem ist Thomas leider ein wahrer Gary Stu. Und der perfekte Held wird auf Dauer eben langweilig.
Ich weiß nicht, ob der Autor hier versucht, ihn menschlicher darzustellen, ihm Fehler unterzujubeln oder einfach falsche Spannung aufzubauen, aber als es dann um Teresas Verrat geht, schaltet Thomas‘ Hirn scheinbar auf Autopilot. Er durchschaut nichts von alldem, was vor sich geht, nichts von dem, was sie sagt. Und mir drang sich immer wieder der Gedanke auf: „Du sollst der klügste Junge sein, den ANGST auftreiben konnte? Du hast ohne die Schöpfer am Labyrinth gearbeitet und ein komplett neues Team eingestellt und ausgebildet?“ Ich finde das wirklich unglaubwürdig, weil Tom einerseits jede Situation vorm Eskalieren rettet, aber andererseits die kleinsten Tricks nicht durchschaut, sodass jeder Leser ihm gerne das Brett vor’m Kopf abnehmen und ihn damit verprügeln möchte.
Dann, als Tom gegen Ende des Buches vor die Wahl gestellt wird, Brenda oder Jorge, begründet er seine überzeugte Antwort mit einer Erklärung, die wirklich nicht nachvollziehbar ist. Für mich zumindest nicht. Sie wirkt nicht derart komplex, dass ein durchschnittlicher Leser sie nicht verstehen könnte – sie wirkt einfach dumm. Aber Thomas ist, wie er ist, und zumindest darin konstant.
Ebenso sind das Jorge und Brenda. Die Lichter gabeln die zwei in den Ruinen einer Stadt auf, praktisch als Anführer einer kleinen Gruppe Cranks, die alle mehr oder weniger „hinüber sind“. Sie schließen sich den Jungs an und erweisen sich als treue Gefährten. Allerdings ist Jorge, nun ja, ein Verschnitt aller typischer Klischees eines Mexikaners. Er hat einen Akzent und hängt an das Ende seiner Sätze am liebsten die Wörter „hermano“ und „muchacho“. Als ob das noch nicht schlimm genug wäre unterlaufen hier dem Autor, der Übersetzerin oder wem auch immer aber zu allem Überfluss Schreibfehler („rapido“, statt „rápido“ usw.). Auf dieses Gesamtpaket hätte man meiner Meinung nach gut verzichten können. Ansonsten ist Jorge aber ein Charakter, der in den Roman passt. Er hat seinen Platz in der Handlung, und das ist auch gut so.
Brenda drängt sich dem Leser dagegen immer wieder als Ersatz für Teresa auf. Sie ist eine starke weibliche Figur, die dem Buch guttut, glaube ich, aber ihre Zuneigung zu Thomas lässt sie immer wieder in den Vergleich driften. Unter’m Strich bevorzuge ich persönlich aber ihren Charakter, denn sie wirkt in jederlei Hinsicht aktiver und reifer als ihre Konkurrentin Teresa.
Zum Schluss wieder einige Kritikpunkte zum Stil des Autors. Denn was auf Dauer wirklich, wirklich frustrierend war, ist die Art und Weise, auf die jede zweite Szene beendet wird. Thomas schläft nämlich ein. Oder wird ohnmächtig. Und zwar ständig. Ich hab von einer Zählung gelesen, die ich zwar nicht mit Sicherheit bestätigen kann, der ich aber glaube: 29. Tom hat ganze 29 Mal in diesem Band das Bewusstsein verloren. Ich denke, auch hier hätte Dashner mit etwas Fantasie Alternativen gefunden.
Ich bin immer wieder über Kleinigkeiten gestolpert, die mich gestört haben. Warum, zum Beispiel, verfügt die letzte Regierung der Welt (oder eine der letzten) über so viel Geld? Die Sonnenerpution hat praktisch alles und jeden in Äquatornähe verbrannt, schon allein das bedeutet erhebliche Einbußen in der weltweiten Wirtschaft. Die meisten Staaten existieren nicht mehr, so viele Menschen sind gestorben und die letzten, die noch arbeiten können und sich nicht verstecken müssen, sind die Immunen, die „Munis“. Die machen allerdings nur 1-5% der Weltbevölkerung aus. Und die meisten arbeiten scheinbar in der Versorgung der Kranken. Wie kann also auf einer Erde in dem Zustand überhaupt noch Wohlstand herrschen, wie wir ihn kennen?

Das Fazit
Ich weiß, meine Rezension ist pedantisch, aber all diese Punkte ließen mich über die Handlung stolpern und haben das Vergnügen beim Lesen gestört. Ich hab über ein paar grobe Übersetzungs- oder Sinnfehler (ich weiß nicht, ob in der Originalfassung Patzer passiert sind oder erst in der deutschen) hinweggesehen, weil ich denke, hier alles haarklein zu zerpflücken macht niemanden glücklich, aber was mir wirklich auf dem Herzen lag, musste ich auch loswerden.
Wie bereits beim ersten Band hab ich viel an diesem Werk auszusetzen, kann und will aber nicht leugnen, dass ich Spaß dabei hatte, es zu lesen. Es ist unterhaltsam, und deshalb kriegt es trotz aller Kritik ein „Okay“, denn ich denke, das ist, was der Autor in erster Linier erreichen wollte.

3sterne3/5

+ Anschluss an den ersten Band
+ gutes Erzähltempo

– Darstellung von ANGST
– Darstellung der Cranks
– auf Dauer Thomas‘ Bewusstseinsverlust
– Thomas‘ Urteilsvermögen

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