„Maze Runner III – Die Auserwählten in der Todeszone“ von James Dashner

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Rezension zur Ausgabe im Schuber

Der Inhalt
Thomas, Newt und Minho haben die Nase voll davon, Versuchskaninchen zu spielen. Während Teresa, Aris und die anderen scheinbar auf den nächsten Trick von ANGST hereinfallen, beschließen die Jungs, abzuhauen. Aber die Organisation macht es ihnen nicht leicht, unterzutauchen. Wem können sie noch trauen, wer arbeitet gegen sie? Die Jungs werden unfreiwillig Zeugen des Krankheitsverlaufs, den sie verzweifelt versuchen zu stoppen. Doch können sie das überhaupt ohne ANGST?

Der Autor
James Dashner stammt aus Georgia (USA) und hat bereits mehrere Buchreihen verfasst. Nach Deutschland hat es bisher aber außer Maze Runner nur die Game-Master-Trilogie geschafft. Die Romane um Thomas und seine Freunde bleiben (bis heute) seine erfolgreichsten; die ersten beiden Teile der Reihe wurden bereits verfilmt, der dritte ist für 2017 geplant (Veröffentlichung in den USA).

Das Buch
Das Finale. Wir werden noch einmal Zeugen der Skrupellosigkeit von ANGST, wir beobachten erneut Versuche, Variablen zu testen und begreifen allmählich die Tragweite des Brands und der Sonneneruption.
Nach einer abenteuerlichen Flucht aus dem ANGST-Quartier beschließen Thomas, Minho, Newt, Jorge und Brenda erst einmal, in eine der letzten erhaltenen Städte zu reisen, und zwar nach Denver, Colorado. Hier empfängt den Leser eine etwas andere Stimmung als in der Brandwüste, denn hier leben und arbeiten gesunde Menschen und solche, die so tun, als wären sie es. Wir erfahren mehr über „den Segen“ und vor allem über „den rechten Arm“. Es handelt sich um eine Untergrundorganisation, die sich gegen ANGST auflehnen möchte und dafür nur allzu gern das Insiderwissen der verbliebenen Lichter nutzen möchte.
Als wäre es nicht genug Ärger, diese Leute zu durchschauen, kämpfen die Jungs auch noch mit einem anderen Problem: einem infizierten Passagier. Einer von ihnen ist nämlich nicht immun, wie Janson ihnen vor ihrem Aufbruch offenbart hatte. Und das wird nun spürbar. Im letzten Band gibt es also noch jede Menge aufzuarbeiten. Und ein paar Kritikpunkte, durch die wir uns noch einmal quälen.
Fangen wir mit dem rechten Arm an. Bevor ein Deal mit ihnen zustande kommt, werden Thomas, seine Freunde und eine Menge anderer Munis nämlich entführt und erst einmal wie Dreck behandelt. Man möchte sie schützen, weil ANGST auf der Jagd nach neuen Versuchskaninchen ist – aber warum beschimpft man sie, sperrt sie ein und behandelt sie auch sonst wie Gefangene?
Was mir im Verlauf der Reihe immer mehr Rätsel aufgegeben hat, waren aber vor allem die Cranks. Denver ist überwacht von Sicherheitsleuten und Einlasskontrollen, bei denen jeder Besucher Blutproben abgeben muss. Es ist praktisch unmöglich, dort einzudringen, schließlich leben dort Gesunde, die geschützt werden müssen. Trotzdem schafft es eine Horde Cranks hinein. Irgendwann sind Thomas und Brenda umzingelt, gefangen in einem Auto. Ihr Fahrer geht auf volles Risiko und schafft es, eine Frau, die sich an ihr Dach klammert, abzuschütteln. Er schleudert sie meterweit durch die Luft. Und die Erkrankte? Steht auf, praktisch unverletzt, und versucht weiter, ins manipulierte (!) Auto zu gelangen, um lebendige Menschen zu fressen.
Alles in allem mutieren am Brand Erkrankte also zu sehr klugen, starken und schnellen Zombies. Der Autor beschreibt den Brand als degenerative Hirnkrankheit. Und ich habe zwar kein Medizinstudium in der Tasche, glaube aber, dass sich die Darstellung und Beschreibung grundlegend widersprechen. Die Cranks werden in jedem Band klüger, verrückter und unverwundbarer, bis es wirklich beinahe lächerlich wurde.
Aber ein ähnliches Phänomen habe ich bei Thomas beobachtet. Denn durch die Geheimakten, den Anhang, der im letzten Buch gedruckt wurde, erfährt man, dass unser Protagonist bei ANGST aufgewachsen ist. Er hat sein Leben lang an Tests teilgenommen oder solche entworfen, er ist hochintelligent und sein Köpfchen musste genutzt werden.
Gleichzeitig ist Thomas aber unglaublich sportlich. Er kann kilometerweit laufen, wie wir bereits im ersten Band erleben durften, und lieferte sich so einige Kämpfe. Einer davon findet gegen Janson statt. Und Thomas kann ihn natürlich für sich entscheiden. Mit einem sehr gezielten, aber spontanen Messerwurf. Ja, Thomas ist einfach begabt. In jederlei Hinsicht.
Vielleicht mit einer kleinen Ausnahme, die sich auf Zwischenmenschliches bezieht. Denn er ist immer noch sauer auf Teresa. Sehr sauer. So sauer, dass er es nicht schafft, ein vernünftiges Gespräch mit ihr zu führen. Er ist einfach wütend, weil sie ihn verraten hat. Hat sie nicht, stellte sich bereits am Ende des zweiten Bandes heraus. Aber trotzdem. Thomas bleibt beleidigt.
Dem tatsächlichen Finale konnte ich leider nicht viel abgewinnen, muss ich zugeben, denn auf mich wirkt es ein wenig lieblos, so, als hätte Dashner es auf den letzten Seiten dann doch sehr eilig gehabt. [SPOILER] Ob nun die romantische Lichtung, auf der sie alle von vorn anfangen, oder Teresas unspektakulärer Tod. Ich mochte Brenda immer lieber, muss ich zugeben, aber Teresa ist und bleibt die weibliche Protagonistin der Reihe. Sie hat mehr verdient als zwei Zeilen darüber, wie sie zerquetscht wird.[SPOILER ENDE]
Ein großes Mysterium bleibt bis zum Schluss Kanzlerin Paige. Thomas sieht sie auf Plakaten in Denver und es kommt immer mal wieder vor, dass Leute über sie sprechen. Sie selbst tritt nie in Erscheinung. Und das finde ich sehr schade, da sie für das Ende eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Sie ist wie ein Geist, eine höhere Macht, die alles beobachtet, aber irgendwo in ihrem sicheren Elfenbeinturm hockt und sich nicht viel einmischt.
Der stilistisch hochwertigste Moment in der Trilogie ist meiner Meinung nach auch der traurigste. [SPOILER] Newt war bereits im ersten Band mein Lieblingscharakter und als er starb, war ich wirklich traurig. Ich fand seinen Tod dramatischer und emotionaler als Chucks im ersten Band, obwohl ich auch Chuck sehr gern hatte. Trotz der Hektik in der letzten Szene zwischen ihm und Thomas konnte ich die Entscheidung beider Seiten gut nachvollziehen und fand auch Thomas‘ Reaktion hier sehr angemessen. Es kam plötzlich und ging sehr schnell. Wie beim Entfernen von Pflastern schmerzte es jedoch auch hinterher. Aber ich bin der Meinung, gute Geschichten brauchen das. Wäre man als Leser immer sicher, dass nichts allzu Schlimmes passiert, würde es langweilig. [SPOILER ENDE]
Was mich bis zu Schluss beschäftigt hat, aber keinesfalls Kritik sein soll, ist die Frage, wann der richtige Moment war. Newt sagte zu Thomas, er wisse, wann der richtige Moment sei, seinen Brief zu öffnen. Ich hab ihn nie eindeutig ausmachen können.

Das Fazit
Ich blicke hiermit nicht nur zurück auf den dritten Band, sondern auch ein bisschen auf die gesamte Trilogie, denn das Urteil fällt sehr ähnlich aus.
Die nachträglich hinzugefügten „Geheimakten“, die nur in dieser Ausgabe enthalten sind, glaube ich, werten die Reihe auf alle Fälle auf, denn ohne sie blieben eine Menge offener Fragen zu ANGST, den Experimenten, den „Schöpfern“ und einigen Themen mehr. Insofern war es eine sehr kluge Entscheidung, sie zu veröffentlichen.
Es gab meiner Meinung nach einige Sinnfehler und stilistische Unebenheiten in diesen Büchern, die mit etwas Liebe und Kreativität hätten beseitigt oder geglättet werden können.
Es gab einige Ungenauigkeiten und unrealistische Übertreibungen, die aber in der tatsächlichen Zielgruppe (etwa bei Jugendlichen zwischen 12 und 14 Jahren) womöglich gar nicht weiter bemängelt werden.
Es gibt sicher bessere Bücher und Buchreihen. Aber die Maze-Runner-Trilogie zu lesen ist sicher keine Zeitverschwendung.

3sterne3/5

+ tragische Wende
+ Minho und Newt (meiner Meinung nach die beiden Figuren mit der meisten Tiefe)

– liebloses Ende
– Darstellung der Cranks

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