„Vollendet“ von Neal Shusterman

vollendet-neal-shustermanUnwindOriginalcover

Originaltitel: Unwind
Autor: Neal Shusterman
Ursprungsland: USA
Übersetzung: Ute Mihr, Anne Emmert
Verlag: Fischer (August 2014)
Preis: 8,99 €
ISBN: 978-3-7335-0029-0
432 Seiten, Taschenbuch
Bewertung:
5sterne

Der Inhalt
Connor, Risa und Lev leben in sehr unterschiedlichen Welten. Doch ihnen allen steht dasselbe Ende bevor: Sie sollen umgewandelt werden. Unter einer Umwandlung versteht man das Spenden jedes einzelnen Organs; von der Haut über die Leber, Gehirnareale bis hin zum letzten Tropfen Blut. Laut der „Charta des Lebens“ darf nichts verschwendet werden, denn so leben die Jugendlichen in vielen verschiedenen Körpern einfach weiter.
Die erschreckende Skizze einer Zukunft, in der Verantwortung weitergereicht und die Augen vor der grausamen Wahrheit verschlossen werden.
„Vollendet“ ist der Auftakt einer fünfteiligen Reihe.

Der Autor
Neal Shusterman wurde 1962 geboren und wuchs in Brooklyn (New York, USA) auf. Mit dem Schreiben hat er bereits zu Schulzeiten begonnen und verdient etwa seit den 90er Jahren damit sein Geld. Für seine Werke wurde er bereits dreimal ausgezeichnet.

Das Buch
Der Bürgerkrieg zwischen Befürwortern und Gegnern der Abtreibung endete in der „Charta des Lebens“. Sie besagt, dass das Leben jedes Menschen unantastbar ist – von dem Moment der Zeugung bis zum 13. Lebensjahr. Bis die Teenager allerdings die Volljährigkeit, also ihr 18. Lebensjahr, erreichen, dürfen die Eltern ihr Kind zur Umwandlung freigeben.
Eben dieses Schicksal trifft Connor, denn er gerät ständig in Prügeleien und macht damit seinen Eltern das Herz schwer.
Risa ist ein Waisenkind und aufgrund von finanziellen Einsparungen des Staates müssen nun mal Kids, die nicht das richtige Hauptfach gewählt haben oder anderweitig nützlich sind, freigegeben werden.
Lev weiß schon lange von seiner Bestimmung, obwohl er gerade erst 13 wird. Denn er ist ein Zehntopfer, das zehnte Kind seiner gläubigen Eltern, die ihm seit jeher predigen, jeder solle den zehnten Teil seines Besitzes spenden.
So verschieden die drei sein mögen, sie kämpfen alle für dasselbe: das Recht zu leben. Und man macht es ihnen wirklich nicht leicht. Flüchtige Wandler, das ist nichts neues für die Polizei. Man findet sie, betäubt sie und verfrachtet sie just ins nächste „Ernte Camp“, wo sie, je nach Bedarf ihrer Blutgruppe u.ä., ihre letzten Tage oder Wochen verbringen.
Liest man dieses Buch, wird man oftmals den Kopf schütteln und denken, das Verhalten der Eltern, des Staates, der JuPos sei unvorstellbar. So etwas könnte niemals real werden. Oder doch?
Shusterman schafft es hier, mit sehr viel Fingerspitzengefühl an ein sensibles Thema heranzuführen. Natürlich findet man es unglaublich, dass Eltern ihre Kinder praktisch „ausschlachten“ lassen. Aber die Politik unterstützt hier ein solches Verhalten. Natürlich wirkt es furchtbar, sein Kind zu „storchen“. Aber wie oft werden Babys auch in der Realität irgendwo abgelegt?
Der Punkt ist, dass beinahe alles an diesem Buch furchtbar ist, aber eigentlich nichts unrealistisch. Und das ist es, was es für mich so gelungen macht.
Auch die Charakterentwicklung der drei Protagonisten ist auffällig, vor allem die des jüngsten. Und das ist gut nachvollziehbar, bedenkt man einmal, das Lev ein Leben lang auf eine Umwandlung vorbereitet wurde, behandlet wurde wie ein Märtyrer. Ganz plötzlich wird er aus dieser Gewissheit gerissen, aus seiner sehr kleinen, aber irgendwie heilen Welt geworfen und muss sich nun in der Realität zurechtfinden. Lev ist gerade einmal 13.
Eine Umwandlung darf der Leser im Laufe des Buchs tatsächlich miterleben. Es ist furchtbar.
Hier wird sich nicht mit „Teenieproblemen“ und immer gleichen Dreiecksbeziehungen beschäftigt, sondern mit Problemen, die in anderer Form irgendwie sehr präsent sind, oder es für jeden sein sollten.
Ein großes Lob an den Autor.

Das Fazit
Ein Motiv, das der Autor immer wieder aufgreift, ist das Abschieben von Verantwortung. Problemkids werden abgeschoben – niemand fühlt sich der Aufgabe gewachsen, sie zu lenken.
Babys werden durch ganze Nachbarschaften gereicht, ehe sie krank werden und sterben. Es tut jedem so leid, aber keiner konnte helfen.
Entscheidungen werden dem Glauben überlassen. Es steht schließlich so in der Bibel.
Ärzte nehmen tagtäglich junge Menschen auseinander. Aber das ist eben ihr Job.
Ein Werk, das zum Nachdenken anregen sollte. Es ist als Jugendbuch gelistet, doch es stecken Wahrheiten für jede Altersklasse darin.

+ einfühlsamer und angemessener Schreibstil
+ gut gestaltete Charakterentwicklung
+ interessante Dystopie

– alle weiteren Teile leider (noch) nicht als Taschenbücher erhältlich

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